Bei der Reanimation zählt jede Minute

von Frank Leenderts

Diese Chance ist sehr davon abhängig, wie gut das Umfeld des Patienten auf den Kreislaufstillstand reagiert. Die Reaktion fängt bei den Laienhelfern an und geht über die Leitstelle, den alarmierten Rettungsdienst bis zur Behandlung des Patienten in einer hierfür vorgesehenen Spezialklinik. Um für die Bevölkerung die bestmöglichste Versorgung zu gewährleisten, wurde deutschlandweit im Rahmen des Qualitätsmanagements das Deutsche Reanimationsregister eingeführt, bei denen sämtliche Daten in Bezug auf durchgeführte Reanimationen gesammelt, bundesweit erfasst und ausgewertet werden. Diese Erhebungen dienen dem für das Qualitätsmanagement verantwortlichen ärztlichen Leiter des jeweiligen Rettungsdienstes, um die daraus resultierenden Schlüsse abzuleiten und die ggf. notwendigen Veränderungen in seinem Zuständigkeitsbereich einzuleiten.

Der Landkreis Oldenburg nimmt seit dem 01.07.2015 am Deutschen Reanimationsregister teil und hat jetzt die ersten Daten ausgewertet. Hierbei müssen im Detail zwei Ergebnisse eine besondere Erwähnung finden. Die sogenannte Laienreanimation wurde im Landkreis Oldenburg in 41,7% der Fälle begonnen (bundesweit 33,7%). Dies stellt einen sehr guten Wert dar, denn gerade die ersten Minuten sind bei der Wiederbelebung entscheidend.

Ein zweiter wichtiger Punkt ist die von der Großleitstelle Oldenburger Land durchgeführte Telefonreanimation, zu der im Landkreis Oldenburg in 36% (bundesweit 16,5%) der Fälle angeleitet wurde. Bei der sogenannten Telefonreanimation handelt es sich um eine telefonische Anleitung des Anrufer durch den Leitstellendisponenten im Falle eines Herz-Kreislaufstillstands – hierbei wird der Ersthelfer laiengerecht und strukturiert durch die erforderlichen Maßnahmen zur Wiederbelebung geführt und begleitet.

Gerade diese beiden Kriterien tragen dazu bei, dass im Landkreis Oldenburg fast jeder vierte Patient, der einen plötzlichen Herztod erleidet, wiederbelebt und mit einem suffizienten Herzrhythmus das Krankenhaus erreicht und dort weiter behandelt werden kann.

Dass dieser Wert derzeit noch unter dem Bundesdurchschnitt liegt (dort erreicht jeder Dritte im Schnitt lebend das Krankenhaus), liegt zu großen Teilen an der ländlichen Struktur des Landkreises Oldenburg begründet - die Spezialkliniken für diese Patientinnen und Patienten befinden sich nach wie vor in Bremen, Oldenburg, Vechta und Westerstede. Ergänzend sei erklärt, dass bei diesen Einsätzen ein schneller Transport mit dem Rettungshubschrauber eher entfällt, da Wiederbelebungen im Hubschrauber nicht ausreichend gut durchgeführt werden können. Somit hat der auf dem Land lebende Mensch aufgrund der infrastrukturellen Problematik per se eine etwas schlechtere Prognose im Falle eines Herz- Kreislaufstillstandes. Dafür lebt er aber offensichtlich gesünder.

Sowohl die Verantwortlichen im Rettungsdienst des Landkreis Oldenburg als auch in der Großleitstelle Oldenburger Land tragen dafür Sorge, dass bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kontinuierliche Schulungen für diese Prozesse durchgeführt werden, um die Ergebnisse auch nachhaltig weiter zu verbessern und noch mehr Mitbürgerinnen und Mitbürgern das Überleben nach einem Herz Kreislaufstillstand zu ermöglichen.

Kontakt:
Dr. med. Peter Günther
Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Oldenburg
E-Mail: aelrd-lkol@web.de

Frank Leenderts
Geschäftsführer der Großleitstelle Oldenburger Land
E-Mail: frank.leenderts@lst-ol.niedersachsen.de

Quelle: http://www.landkreis-kurier.de/index.php?menuid=28&reporeid=7504

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